• Vom: 19. Oktober 2011
  • Kommentare: 46 Kommentare
  • Kategorie: Debatten
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  • Über Eva Horn


    Hat Politikwissenschaft, Geographie und deutsche Philologie im schönen Münster studiert. Wenn sie nicht gerade über ihren Wombat bloggt oder auf twitter herumpöbelt, arbeitet sie für eine Abgeordnete der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament. Darüber hinaus lebt sie in Stuttgart.

Die deutsche Gesellschaft ist vielseitig, bunt und individuell – darauf legen alle dieser Tage ganz besonders großen Wert. Doch das Netz scheint dies kaum abzubilden.

Blickt man auf die Referentenliste von Podiumsdiskussionen, netzpolitischen Veranstaltungen, aber auch in die Zeitungen, auf die blogrolls oder in den twitterstream, es könnte der Eindruck entstehen, im Internet würden nur mittelalte, weiße, gut gebildete Männer existieren – so dominant sind sie in den Diskussionen, so penetrant werden sie auf irgendwelche Panels gesetzt und so alternativlos erscheinen sie bei Rankings und Hitlisten. Noch. Denn es regt sich Widerstand an den Rändern des Netzes.

Frauen, die sich vernetzen und Sexismus und Benachteiligung (netz)öffentlich anprangern, Gehörlose, die nicht länger hinnehmen wollen, dass ihnen die Teilhabe am politischen Prozess verwehrt wird – um nur zwei Beispiele zu nennen. Recherchierte man länger, man würde sicher viele weitere Beispiele finden. Doch genau das passiert viel zu selten. Sind wir zu bequem, um althergebrachte Wege zu verlassen? Oder sind am Ende die digitalen Randgruppen selbst schuld, weil sie nicht selbstbewusst genug auftreten?

Jedenfalls scheint sich die Einsicht, dass das Schema „männlich, weiß, mittelalt“ nicht nur unfassbar langweilig, sondern auch diskriminierend ist, nur sehr langsam durchzusetzen.

Warum ist das so? Haben die „Jungs“ Angst um ihre komfortable Situation und ihren Status? Oder hat unsere Gesellschaft am Ende kollektiv ein Brett vor dem Kopf und sich einfach viel zu sehr an diese Einförmigkeit gewöhnt?

Egal, wie man es dreht und wendet: Eine heterogene Gesellschaft muss sich überall abbilden – auch und gerade im Netz. Wie könnte man das erreichen? Was muss passieren, damit das Schema „männlich, weiß, mittelalt“ endlich durchbrochen wird?

Diese und weitere Fragen wollen wir mit euch diskutieren – hier im blog und darüber hinaus Mitte Dezember live und in Farbe.

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die persönliche Meinung der Autorin wieder und nicht die Position des Vereins PolitCamp, oder dessen Mitglieder.

Weitere Artikel zum Thema:

Yasmina Banaszczuk : Das politische Netz ist sicher vieles – aber vor allem eins, und das ist elitär.

Christian Soeder: Prädikat Quotenfrau

Claus Junghanns: Das Netz ist geschlechtslos – belassen wir es dabei.

Frank Bergmann: Das Netz verändert sich. Werden wir es akzeptieren?



46 Kommentare zu “„ Das Netz ist männlich, weiß, gut gebildet, mittelalt – oder nicht?“”

  1. Jörg Rupp sagt:

    Also ich finde, mich in ein Schema (bin ich noch mittelalt??) zu pressen, auch ganz schön diskriminierend. Noch dazu, wenn es als diskriminierendes Schema benannt wird. Ich kann ja zunächst mal nichts dazu, dass ich genau das bin. Aber ich finde es wie Du richtig, dass es neben dieser Gruppe, der ich nunmal zugehöre, auch noch Zugehörige anderer Gruppen geben MUSS, die sich zu Wort melden dürfen, indem sie auf Podien, Panels und wo auch immer hin gesetzt oder gestellt werden (nicht gelegt).
    Und das obliegt schlicht Veranstalter_innen solcher Veranstaltungen. Und dem Gemotze alles, wenn es (mal wieder) genau so ist. Konstruktivem Gemotze natürlich. Und am allerbesten, wenn klischeebehaftete Panelteilnehmer beim nächsten Mal sagen: nee, ich bin zu sehr weiß, mittelalt und männlich, nehmt doch die Eva, die ist nur weiß, noch nicht mittelalt und männlich gar nicht. Oder so.

    • merdeister sagt:

      “Also ich finde, mich in ein Schema (bin ich noch mittelalt??) zu pressen, auch ganz schön diskriminierend.”

      Mir kommen die Tränen!

      Louis CK sagt dazu: “You can’t even hurt my feelings”
      http://www.youtube.com/watch?v=TG4f9zR5yzY

      • Jörg Rupp sagt:

        das ist das andere Problem: wenn Männer sagen, dass sie sich diskriminiert fühlen, dann wird das lächerlich gemacht.

        Ich finde, Eva hat im Grundsatz recht, finde aber tatsächlich, dass es so, wie es formuliert ist: “Jedenfalls scheint sich die Einsicht, dass das Schema „männlich, weiß, mittelalt“ nicht nur unfassbar langweilig, sondern auch diskriminierend ist, nur sehr langsam durchzusetzen.” mich diskriminiert.

          • Jörg Rupp sagt:

            da jetzt nochmal die Nachfrage kam: ich für mich finde es diskriminierend, wenn eine Beschreibung, die in ihrer Pauschalität ja gar nicht stimmt, mich in eine “unfassbar langweilige, sogar diskriminierende” Gruppe mit einfasst. Dieser Teil des ansonsten richtigen Beitrags tut so, als wäre es Absicht, jedenfalls kommt es mir so vor. Es ist allenfalls nachlässig. Und daher ist es richtig, den Finger drauf zu legen.
            Man sieht es ja an den Reaktionen: wird man dieser Gruppe zugeordnet,ist man diskriminierungsfrei. Man darf die Mitglieder dieser vermeintlichen Gruppe beschimpfen und wenn sie sich wehren, kommt garantiert eine (nicht gegendert), die “mir kommen die Tränen” schreibt.
            Aber grundsätzlich ist es korrekt, dass Podien, Panels etc. pp. auch mehr die Vielfältigkeit des Netzes abbilden müssten – über Mann/Frau hinaus. Auch bei “leichten” Themen wie “flittern” übrigens. Nur mal so am Rande.

  2. Marcus D Mueller sagt:

    “männlich, weiß, mittelalt”

    Wo hast n du denn diesen Spruch her? Du solltest aufhören in Nazi-Kreisen zu verkehren. ^^ Ausserdem hab ich nicht das Gefühl, dass es zu wenig Frauen im Internet gibt, aber wer Unterdrückung sucht, der wird sie auch finden. Es gibt immer irgendwo jemanden der sich Unterdrücken lässt, weshalb auch immer, aber das ist das Problem! ;-)

    LG, Dülla

    Ps: Liebe bzw. akzeptiere dich selbst, dann kommt das mit dem Selbstbewusstsein von ganz allein. :-)

    • mueslikind sagt:

      Äh… Hast du den Text gelesen? Wo sind denn die Podien und Rankings wo es von Frauen wimmelt? Oder sind “genug” Frauen für dich eine auf jedem 3. Podium? *kopfschüttel*
      Mal als Denkanstoß: Würdest du dich als Mann repräsentiert fühlen, wenn auf Veranstaltungen, in den Medien etc. ausschließlich Frauen über das Internet sprechen würden und man den Eindruck gewinnen würde, es wäre ein reines Frauen-Ding?

    • bernd sagt:

      gut getrollt. so ein nazivorwurf macht sich immer gut, um eine inhaltliche debatte engleisen zu lassen. hierfür ist dir die goldene derailing-nadel am band garantiert.

  3. ❃Emil❃ sagt:

    Ich wollte nur mal “Hallo” sagen.

    Schöne Diskussion habt Ihr hier!

  4. Tim sagt:

    Gehen wir mal davon aus das so stimmt. Dann sind also die Männer die das Netz mehrheitlich nutzen sexistisch, weil ja zu wenige Frauen den Weg ins Netz finden?

    Bullshit. Hier liegen die gleichen Probleme vor die sich wie ein roter Faden durch Gesellschaft und Erziehung ziehen. Das Netz ist nur ein Spiegel dessen was auch sonst in der Gesellschaft sichtbar ist.

    Statt zu jammern sollten sich die, die sich benachteiligt fühlen (wer genau ist das eigentlich?) einfach entsprechend aufstellen und die Fehler nicht bei denen suchen die sich bereits aufgestellt haben. z. B. Männer oder sowas.

    • Laura Dornheim sagt:

      Ich bin mir ziemlich sicher, dass Du Deine Einstellung zu “Benachteiligten” ziemlich schnell ändern würdest, wenn Du zu einer benachteiligen Gruppe gehören würdest.

      Dass Weiße / Gesunde / Männer nichts “für Ihre Privilegien können” entbindet sie nicht von der Pflicht, auch auch für die Rechte der anderen einzutreten.

    • mueslikind sagt:

      Text gelesen? Die Autorin sagt nicht, dass zu wenige Frauen im Netz sind, sondern dass dies so SCHEINT. Weil z.B. nicht richtig recherchiert wird und Frauen nicht zu Podien eingeladen werden. Das ist sowohl sexistisch von den Veranstaltern, von Journalisten etc.

  5. Victor Fuchs sagt:

    Die Autorin spitzt die Dinge natürlich zu, hat aber in machen Punkten nicht ganz Unrecht.

    Aber leider ist es eben so, dass viele Frauen nicht so technikaffin sind wie Männer (es zu sein glauben).

    Das führt eben dann auch dazu, daß die gleichermassen selbsternannte wie selbstgerechte Internetpartei , die Piratenpartei durchgesetzt hat, daß in deren Reihen Frauen als Piraten und nicht Piratinnen bezeichnet werden. Peinlich. Retro. Macho. Die hätten sich ja auch Pirtatinnenpartei nennen können.

    Auf der anderen Seite haben die “alten Herren” das Thema Netzpolitik viel zu lange nicht ernst genommen. Und so kam es eben, daß in der CSU Dorothee Bär in die Bresche sprang und seit Jahren erfolgreich dieses Thema besetzt. Es gibt also auch Frauen auf Podien, davon konnte sich Eva Horn vor wenigen Tagen in München auch persönlich bezeugen ;-)

    Das “Netz” steht trotz der imposanten Entwicklung in den letzten Jahre nicht am Ende, sondern erst am Anfang seiner Möglichkeiten. Um dauerhaft nachhaltig erfolgreich zu sein und den größtmöglichen Gesellschaftlichen Nutzen zu bringen bedarf es der Teilnahme aller. Alt, Jung; Mann, Frau; Volksschule, Universität; Hautfarbe: irrelevant….

  6. Bunto sagt:

    Liebe Leute,

    natürlich ist das Netz männlich dominiert und das wundert Euch? In den 80ern und 90ern, als das Netz geboren wurde, waren es mehrheitlich kleine pickelige Jungs, die vor ihren Computern hockten. Daran ist nichts diskriminierendes. Es handelt sich um einer Entwicklung. Andere Bereiche sind mehrheitlich in weiblicher Hand. Macht nicht genau das eine heterogene Gesellschaft aus?

    Mat

  7. Hinz sagt:

    Ich fordere ja eine 40% Quote für Frauen bei DSL- Anschlüssen! Müssen die gläserne Firewall durchbrechen!

  8. robuni sagt:

    Das liegt im Ursprung des Internet, ganz in der Nähe des Emmentals, wo man für Versuchszwecke keinen einheimischen Käse sondern den billigen vom coop, nämlich “Gouda mittelalt” fürs Netz testete.
    Der Käse war weiss, männlich, mittelalt und die Bildung ist eh nie Feststellbar : Je mehr ich weiß, desto mehr erkenne ich, dass ich nichts weiß.
    (Albert Einstein)

  9. bernd sagt:

    hallo habicht. <3

  10. Laura Dornheim sagt:

    Ich bin mittelschwer entsetzt ob der meisten Kommentare hier. Da helfen auch mißbrauchte Einstein-Zitate nichts.

    Bester Beweis, dass diese Diskussion dringend notwendig ist, vielen Dank fürs Anstoßen, Eva.

    Da ich nicht noch mehr Trolle hier motivieren will, spar ich mir meine Inhalte mal lieber für die Live-Diskussion. Ich freu mich!

  11. aotto1968_2 sagt:

    Ich glaube der potentielle Beitrag von Frauen wird überschätzt.

    Ich sehe nicht das “Irgendjemand” von “Irgendwas” ausgeschlossen wird.
    Die tiefere Ursache liegt in dem verminderten Interesse an der Sache an sich.
    Ich, als der oben beschriebene Mann, habe genauso Themenfelder die bei mir auf verminderten Interesse stoßen …. und was wichtig ist -> ich beklage mich nicht darüber.
    Ansonsten bin ich ganz zufrieden als Mann geboren zus ein.

  12. baranek sagt:

    Zunächst: die Analyse. Lässt sich ja durch Zahlen schlecht belegen. War da nicht mal was, dass eigentlich in den Sozialen Netzwerken die Frauen sogar in der Mehrheit sind? Meine eigene Timeline ist jedenfalls ziemlich paritätisch besetzt. Interessant übrigens, dass das bei G+ nicht so ist. Ich verstehe es auch nicht so ganz, aber andererseits kenne ich viele Frauen, die das einfach auch nicht so wichtig nehmen. “Wieder was neues?” Könnte sich ändern, wenn das Web politisch relevanter wird.

    Das mit den Podien ist sicher richtig. Müssten die Veranstalter mehr gepiesackt werden. Von daher: schön Finger in die Wunde gelegt. Da könnte allerdings auch Herr Spreeblick mal was sagen, wie das eigentlich bei re:publica ist, wo sich ja jede bewerben kann. Fände ich interessant, wie sich das da so darstellt. Oder auf Barcamps. Dort tut sich jedenfalls mehr als früher.

    Von daher kann man also nicht dabei stehenbleiben, auf die Männer einzukloppen, sondern die Frauen müssten sich mal etwas mehr nach vorne drängeln. Wo ist denn das wichtige netzpolitische Blog, das eine Frau schreibt? Ich mein, ginge ja doch, oder? Wer immer nur über Food, Mode und Kosmetik bloggt, nunja, der wird zu politischen Themen halt auch nicht eingeladen.

    Versteh mich nicht falsch, ich weiß schon, wie das Genderdings funktioniert. Aber beide Seiten müssen eben die Schere aus dem Kopf rauskriegen. Oder glaubst du ernsthaft, dass die Webmänner bewusst Frauen unten halten? Ich jedenfalls will mit solchen Typen nix zu tun haben. Kann mir aber vorstellen, dass die bei den Piraten so einige davon haben ;-)

  13. drikkes sagt:

    Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die persönliche Meinung der Autorin wieder und nicht die Position des Vereins PolitCamp, oder dessen Mitglieder.

    Hmm, heißt das, für den PolitCamp e.V. ist alles in Butter?

    • Der Verein vertritt oder erarbeitet selbst keine Positionen, sondern stösst nur Debatten an. Daher spricht jedes Mitglied nur für sich selbst.

      • drikkes sagt:

        Okay, jetzt gesehen, daß es unter jedem Debattenbeitrag steht. Das würde ich dann aber auch so in den Disclaimer schreiben, um Mißverständnissen vorzubeugen.

  14. 1. Ich zB blogge politisch – es gibt die Frauen, die poltisch bloggen, man muss sie nur mal suchen: Anne Roth, Antje Schrupp …
    2. Das Problem ist doch, wie sich die Interessen ausbilden. DAS muss doch hinterfragt werden.
    3. Ich sehe auch, dass Frauen meist etwas zu passiv sind, aber DAS IST JA TEIL DER SOZIALISATION. Das ist doch der Knackpunkt.
    4. geht es um Sichtbarkeit und wieso Frauen weniger wahrgenommen werden, obwohl sie die Mehrheit sind.
    5. schere aus dem Kopf passt. Und so lange solche dummen Kommentare kommen, wird es weiter die Probleme geben.

    • klingt komisch sagt:

      aber DAS IST JA TEIL DER SOZIALISATION

      Und was machen wir nun? Sollen die Männer die Sozialisation der Frauen ändern? Oder wer? Wer sozialisiert denn Mädchen und Frauen in ihre Rolle? Ja, “die Gesellschaft”. Praktisch an selbiger ist, dass man sie nicht dingfest machen kann. Die Gesellschaft sind aber auch maßgeblich Mütter und Frauen. Warum arbeiten die nicht dran, ihr Kinder anders zu sozialisieren? Warum fordern Frauen das nicht? (Ja, klar, ist Teil der Sozialisation, dass es immer jemand anderes machen soll!)

      geht es um Sichtbarkeit und wieso Frauen weniger wahrgenommen werden

      Dazu braucht man sich nur dorthin zu begeben, wo man gesehen wird. Das muss im Netz jeder selbst machen.

      Oder sind am Ende die digitalen Randgruppen selbst schuld, weil sie nicht selbstbewusst genug auftreten?

      Ja, sind sie. Im Netz gibt es kleine besetzten Plätze. Man kann überall teilnehmen. Wenn man will. Und Selbstbewusstsein kann man sich erarbeiten!

      Eine heterogene Gesellschaft muss sich überall abbilden

      Nein, muss sie nicht. Sie bildet sich auch auf dem Fußballplatz nicht ab oder in der Leserschaft der BRIGITTE.

      Statt über die Teilmahme zu lamentieren: Nehmt einfach teil, statt über euren Bauchnabel zu palavern.

  15. Liz sagt:

    Ihr armen armen Frauen. Mehr Mitleid, mehr Schuld, ihr merkt garnichts mehr.

  16. Sascha Stoltenow sagt:

    Auf dem Content Strategy Forum in London, waren 60 Prozent Vortragende und die Männer waren auch nicht alle weiß, sondern u.a. kanadisch-peruanisch und sonne Sachen.

  17. schlumpi sagt:

    So, jetzt schreibe ich doch auch mal was aus meiner Erfahrung / Meinung.
    Ich denke nicht, dass es da draußen im “Digitalen Djungel” zu wenige Frauen gibt, sondern vielmehr vielleicht zu wenige Frauen, die zum Beispiel bloggen. In meinem Bekannten und Freundesgleich sind dies vielleicht gerade 5% (aber alle sind socialnetworks vertreten) der Frauen. Warum dies so ist, ist ein wenig schwer zu ergründnen.

    Wenn ich auf Konferenzen gehe, da ist es nicht so, dass keine Frauen auf den Panels stehen, allerdings sind in diesen Sparten generell eher wenig Frauen anzutreffen. Wenn ich nun also zu Diskussionen/Messen/Konferenzen gehe auf denen eh schon der Frauenanteil erschreckend niedrig ist, da kann man eigentlich schon fast davon ausgehen, dass in den Panels ebenfalls vergleichsweise wenige Frauen auftauchen. Versteht mich bitte nicht falsch, ich finde diesen Umstand zu tiefst traurig, allerdings kann ich jetzt auch nicht erkennen, wie MANN zum Beispiel etwas daran ändern könnte. Man kann natürlich niemanden zwingen

  18. Eva sagt:

    Ich würde den Focus gerne von der reinen “Frauen” vs. “Männer”-Debatte wegführen, der Großteil der Kommentare zeigt, dass man darüber (leider) nicht konstruktiv diskutieren kann, aber das ist jetzt ja auch nicht wirklich was neues.
    Der Artikel, der übrigens natürlich zugespitzt geschrieben ist, legt den Focus nicht umsonst auf den Ansatz, eben nicht nur “weiß, männlich, mittelalt” (und ohne körperliche Beeinträchtigung) in Diskussionen einzubinden. Die (haha) “Randgruppe” “Frauen” hatten wir jetzt ja schon.
    Aber was machen “wir” denn mit MigrantInnen, RollstuhlfahrerInnen etc.? Warum diskutieren Menschen über Barrierefreiheit im Netz, die überhaupt nicht persönlich betroffen sind? Kann man da auch sagen “Naja, ist halt eure Schuld, dass ihr nicht vertreten seid, ihr seid halt nicht laut genug”?

  19. Jan Dark sagt:

    ich finde es abstoßend, diese sexistische Diskussion, die sich unter Verzicht auf Inhalte nur auf das Geschlecht fixiert. Geschlechtsmerkmale ersetzen eine politische Diskussion, auch Quoten nicht. Dieser Sexismus steht nicht mal mehr auf dem Boden unserer Verfassung.

  20. Roland Panter sagt:

    In der Wahrnehmung ist es sicherlich richtig, dass weniger Frauen in Podien zur Netzpolitischen Diskussion stattfinden. Müsste man mal ursächlich hinterfragen, da ich nicht glaube, dass es eine aktive Ausgrenzung gibt. Vielmehr drängen sie sich vielleicht nicht so auf. Man, bzw. Frau muss dann auch mal vorpreschen und sich anbieten und nicht warten bis mal jemand fragt. Verstehe, dass das schöner ist, aber es verursacht eben solche Effekte. Sicher gibt’s auch männlichen Kumpel-Klüngel, der lieber einen mittelmäßigen Typen auf die Bühne holt, weil der mal bei einer bekannten Wirtschaftszeitung gearbeitet hat, aber den gibt es überall.

    Was bei dieser Diskussion eigenartig ist, andere Bereiche des Netzes haben sehr wohl Frauen auf den Podien, da wäre bspw.eine Miriam Meckel zu nennen. Auch in den Medien sind Frauen allgemein sehr präsent. Liegt’s also vielleicht am Thema?

  21. Ich hab vor ein paar Wochen fuers englische ORGZine was darueber geschrieben: http://goo.gl/cSvo8

    Kurzfassung: Diskriminierung gibt es in diesem Umfeld schon – wie auch an den Kommentaren zu diesem Artikel ersichtlich ist. Hinzu kommt aber auch ein gewisser Mangel an Interesse an Netzpolitik und digitalen Rechten seitens benachteiligter Gruppen. Dabei sind diese ganauso eifrige Nutzer des Netzes, und genauso davon abhaengig fuer ihre gesellschaftliche Eingliederung wie wir alle – sie sind halt nur nicht unbedingt immer im “Mainstream” der Netzpolitik eingegliedert.

    Es liegt teilweise an uns, den netzpolitisch Aktiven, der breiteren Oeffentlichkeit zu erklaeren, warum Netzpolitik und digitale Rechte wichtig sind, und sie in unsere Taetigkeiten aktiv miteinzubeziehen.

  22. Hier, bitte einmal mein Interview mit Anke Domscheit-Berg zum Thema anhören. Danke: http://www.youtube.com/watch?v=UcIZL8r8F5I

    PS: Ich achte seit dem Interview darauf, einen ausgewogenen Männer-Frauen-Mix in meinen Netzbeiträgen zu haben. Gelingt leider nicht immer.

  23. FrauNashorn sagt:

    Dank an die Autorin!

    Die Stärke einer Gesellschaft/Gruppe zeigt sich doch darin, wie sie mit den weniger wahrnehmbaren Menschen umgeht. Ob das Frauen sind, Männer, Kinder, Rentner, Arme, …. Diejenigen, die sich (wegen ihres Charakters, ihrer Sozialisation, was auch immer) leicht Gehör verschaffen können, haben m.E. durchaus die Verpflichtung, die “anderen” mit ins Boot zu holen und sichtbar zu machen. Sie zu ermutigen.

    So funktioniert miteinander. Unter Freunden, in der Familie, in der Gesellschaft, und idealerweise auch auf Podien.

    (und jetzt gehe ich wieder Mamablogs lesen und meine kleinen, weißen Jungs zu erträglichen Mitgliedern der Gesellschaft erziehen :-p)

  24. Young, white, female. sagt:

    Also, als ich die Überschrift und die ersten zwei Absätze gelesen hatte, hab ich mich erstmal gewundert, wie du auf so eine Aussage kommst. Dann habe ich mir mal bewusst angeschaut, wem ich denn da so auf Twitter alles folge – mit dem Ergebnis, dass ich aus politischen Gründen tatsächlich ziemlich vielen Leuten folge, die in dein Schema passen würden. War mir noch nie so aufgefallen.

    (Ich gehe mal davon aus, dass du davon geredet hast. Zu sagen, dass “das Internet” von Männern dominiert wird, ist allerdings Unsinn: Auch wenn die jetzt nicht wirklich viel mit netzpolitischen Debatten zu tun haben – was ist mit den weiblichen Jugendlichen, die regelmäßig Dinge über Justin Bieber oder Harry Potter in die Trends bringen, egal ob gerade Frankfurt okkupiert wird oder nicht?)

    Im Allgemeinen ist es natürlich die Interessensfrage – es verbietet ja keiner Frauen, Migranten, oder RollstuhlfahrerInnen, sich auf irgendeiner Internetseite anzumelden. Zwingen kann man aber wiederum ja auch keinen dazu.

    Mit Podiumsdiskussionen ist das natürlich was Anderes; und da ist die Frage tatsächlich interessant. Denkt sich so ein Veranstalter wirklich “Nee, wir wollen keine Frauen/RollstuhlfahrerInnen/MigrantInnen auf unserem Podium”? Sollte das wirklich der Fall sein, müsste man da wirklich mal energisch darauf hinweisen, dass das diskriminierend ist (Was du ja mit diesem Post auch schon getan hast) und fordern, auch mal andere teilnehmen zu lassen. Ansonsten wäre die Maßnahme auch hier tatsächlich, die entsprechenden Gruppen zu mehr Aktivität zu motivieren.

  25. Bitte, bitte moderiert dieses Kommentarfeld vernünftig!
    Ich empfinde es als Zumutung, mich durch derailende, sexistische, dumme, schlechte oder verachtungsvoll ignorante Kommentare lesen zu müssen, um zu den wirklichen Inhalten der Diskussion vorzudringen. Herzlichen Dank & Grüße,
    herrmann herman

  26. Kochshow sagt:

    Diejenigen, die sich (…) leicht Gehör verschaffen können, haben m.E. durchaus die Verpflichtung, die “anderen” mit ins Boot zu holen und sichtbar zu machen.

    Wieso sollten sie? Menschen, die nicht können, muss oder kann man ins Boot holen. Aber Leuten, die es sich mit der Ausrede “Sozialisation” im Opferstatus bequem machen? Nein, die können sich selbst bewegen.

    Im Internet kann sich übrigens fast jede/r Gehör verschaffen. Aber nicht jede/r tut es, denn das Netz ist ein Spiegel der Gesellschaft. Hier bildet sich ab, wie emanzipiert Frauen wirklich sind.

  27. julia sagt:

    Das deutschsprachige Netz ist mglw. weiß.

    Ansonsten, sorry, diese Behauptung, dass Frauen bei re-publica und Co. (bis vergangenes Mal) von der Teilhabe auf wichtigen Podien “ausgeschlossen” waren – das ist eine Lüge, die von vielen Label-Feministinnen gern verbreitet wird. Teilweise wurden Hauptpodien von den Frauen abgelehnt, also bitte!

    Mich suckt das nur noch.

  28. Jan Dark sagt:

    Ich glaube nicht, dass die Betonung des Geschlechtes uns bei der Netzpolitik weiterbringt. Nehmen wir die Bundespolitik:

    Ursual von der Leyen wollte unbedingt, dass alle Webzugriffe aller deutschen Bürger überwacht werden, um dann durch rote Vorhänge die Fundstellen von Kinderpornografie deutlich zu kennzeichnen. Den Dreck löschen wollte sie nicht mit ihrem Zugangserschwerungsgesetz.

    Sabine Leutheusser-Schnarrenberger weigert sich beharrlich, das Zugangserschwerungsgesetz anzuwenden, das die FDP in den Koalitionen von Bayern und Sachsen im Bundesrat unbedingt haben wollte.

    Dorothee Bär, CSU, hat für die verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung gestimmt, bis 2008 das Bundesverfassungsgericht ihr in den Arm fiel und sie auf den Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung zurückholte. Prompt stimmte sie im Jahr darauf für das Zugangserschwerungsgesetz der Zensursula.

    Ich halte es für Kontraproduktiv, bei einer solchen Scheisspolitik auch noch das Geschlecht zu betonen. Merkel kann von mir aus Quote machen so viel wie sie will. Gemessen wird nicht am Geschlecht sondern am Ergebnis. Und das ist in den Beispielen oben beschissen. Ich kann mir vorstellen, dass sich Intelligente (also Frauen) sich von so was entsetzt und angeekelt abwenden. Trotzdem Danke Franziska Heine.

  29. [...] Netz ist männlich, weiß, gut gebildet, mittelalt – oder nicht?“ fragt Eva Horn auf [...]

  30. [...] (@habichthorn) hat auf politcamp.org eine Debatte angestoßen, an der sich unter anderem auch Claus (@kritikkultur) und ich beteiligt haben. Claus meint, das [...]

  31. viruletta sagt:

    Vorweg: Ich habe nicht alle Kommentare gelesen, aber deinem Beitrag kann ich mich nur anschließen! Umso wichtiger finde ich Projekte wie “Girls can blog.” (http://girlsblogtoo.blogspot.com/), die “Mädchenmannschaft” (http://maedchenmannschaft.net/) oder den “Mädchenblog” (http://maedchenblog.blogsport.de/). “Girls can blog.” und die Mädchenmannschaft verschaffen einen guten, stets aktuellen Überblick über die weibliche*/feministische Blogosphäre und der Mädchenblog ist ein Mitmachprojekt, in dem sich neue Blogger*innen ausprobieren und vernetzen können und der für viele feministische Blogger*innen zum virtuellen Zuhause geworden ist.

    Achja, dann gibt es natürlich auch noch hatr.org (http://hatr.org/), ein Blogprojekt, dass mit den Beiträgen von Trollen Geld für andere Blogprojekte sammelt.

    Ich persönlich empfinde all diese Seite als wahnsinnig empowernd und wer regelmäßig dort mitliest, wird glaube ich automatisch irgendwann von der Lust gepackt, selber mit dem bloggen zu beginnen ;)

  32. André sagt:

    vielen dank an eva für diese diskussion, auch wenn sie genau den verlauf genommen hat, den sie wohl nehmen musste.

    die opposition gegen die vorgestellten thesen sind zum einen die jungs (weiß, mittelalt, tendenziell nerdig), die mit ihren zurückweisungserfahrungen durch frauen in ihrer teenagerzeit nicht klarkommen und zurückkeilen wann immer das geschlechterthema gezogen wird (http://www.heise.de/tp/artikel/35/35749/1.html).

    zum anderen präsentieren die mädels, geprägt durch generationenlange kämpfe um männliche aufmerksamkeit, ihre (selbst-)verachtung auf frauen (http://www.dw-world.de/dw/article/0,,15477903,00.html).

    leute, bei dem geschlechterthema geht es nicht um bevor- oder benachteiligung von jungs oder mädels, sondern um die deutlichmachung von gesellschaftlichen strukturen, die geschlecht eine rolle zuweisen und darauf festnageln. die ganze diskussion hier zeigt mir, wie stark und subtil diese strukturen weiter wirken, selbst bei leuten, die sonst sehr reflektiert sind.

    was kann man also tun um das aufzubrechen? nun, sich erst einmal mit den themen von gleichstellung, feminismus und emanzipation vertraut machen. und, hey, feminismus ist auch was für jungs! die werden schließlich auch auf rollen festgelegt, die ihnen vielleicht nicht gefallen. den beitrag von julia schramm fand ich da sehr gut. unter umständen wäre ein zuhörworkshop zum thema “geschlecht und ich” ein guter einstieg.

    • Ronald sagt:

      Chaosmacherin sagt:@KeepItIndie guck mal den Link von Melvenue an. Sehn ja iwie doch aus wie Models. Also kosmmt du auf deine Kosten. Ich hätte es nich langweilig gefunden. Im Gegenteil.