• Vom: 19. Oktober 2011
  • Kommentare: Ein Kommentar
  • Kategorie: Debatten
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  • Über Yasmina Banaszczuk


    Wurde 1985 in Bensberg geboren und absolvierte ihr Studium zur Diplom-Kauffrau. Nach einem anschließenden MBA-Jahr in Madrid arbeitete sie mehrere Jahre im Planungs- und Strategiebereich sowie als Projektleiterin in der Unternehmenskommunikation. Seit 2010 widmet sie sich ihrer Promotion im Bereich Hochschulforschung und arbeitet als Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Aber Moment, vielleicht eine kurze Erklärung vorab: wenn ich von „das Netz“ spreche, dann meine ich die Menschen, die sichtbar sind, die aktiv sind, die meinungsgebend sind, die als Experten gefragt werden. Hier muss ich auch direkt Eva Horn Recht geben: man sieht in der Tat immer diese homogene austauschbare Masse an Gesichtern. Sie sind in der Tat alle gut gebildete weiße Männer mittleren Alters.

Dass sie alle weiße Männer mittleren Alters sind stört mich noch nicht mal, so lange es unter ihnen einige gibt, die mich inhaltlich repräsentieren. Ist das Internet für mich ein Thema, wo man genderspezifische Politik und Meinungen braucht? Nein, und daher stört mich die geringe Frauenquote auch nicht.
Mich stört die Art und Weise, wie viele Debatten geführt werden. Mich stört das ständige Mit-Sich-Selbst Beschäftigen. Mich stört, dass sich an Kleinigkeiten aufgehangen wird, während ein Großteil der Deutschen den Anschluss an netzpolitische Fragestellungen schon längst verpasst hat (siehe die Studie von Infratest zur Digitalen Gesellschaft).

Für mich ist die Frage, ob auf dem Podium sechs Männer oder drei Männer und drei Frauen sitzen eben eine solche Kleinigkeit. Ein Nice-To-Have wenn man so möchte. Der Beitrag zum Bundestrojaner von Herrn Uhl hat es doch so wunderbar wieder gezeigt: es gibt eine nicht zu vernachlässigende Masse an Personen, bei denen erst einmal eine Grundbildung zu Internet und Netzpolitik und die Auswirkungen auf Leben, Wirtschaft und Gesellschaft stattfinden muss. Es gibt weiterhin substanzielle Defizite in den Unter- und unteren Mittelschichten, sowohl was die Ausstattung als auch das Know-How angeht.

Die zunehmende Verlagerung wirtschaftlicher und politischer Interessen und Entscheidungsfindungen ins Netz wird diese Menschen langfristig nicht einbinden können. Das ist für mich die Gefahr. Das ist für mich die Diskriminierung.

Das politische Netz mag männlich, weiß, gut gebildet und mittelalt sein, vor allem ist es jedoch ein sich mit sich selbst beschäftigender Zirkel aus Wissenden, die ihren Wissensvorsprung zwar untereinander austauschen, aber nicht genügend der breiten Masse zugänglich machen.

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die persönliche Meinung der Autorin wieder und nicht die Position des Vereins PolitCamp, oder dessen Mitglieder.

Weitere Artikel zum Thema:

Eva Horn: „Das Netz ist männlich, weiß, gut gebildet, mittelalt – oder nicht?“

Christian Soeder: Prädikat Quotenfrau

Claus Junghanns: Das Netz ist geschlechtslos – belassen wir es dabei.

Frank Bergmann: Das Netz verändert sich. Werden wir es akzeptieren?



Ein Kommentar zu “Das politische Netz ist sicher vieles – aber vor allem eins, und das ist elitär.”

  1. Kann Yasmina da nur beipflichten, zunächst müsste mal die Wissenslücke zwischen den 2% die im Netz produzieren und den 98% die konsumieren (und zwar nur selten die Fachthemen) geschlossen werden.

    Dieses Semester haben wieder zahlreiche Studenten ihr Studium im Bereich Journalismus aufgenommen. Die ersten Wochen an meiner Uni zeigten bereits, dass das Ziel der meisten Studis nach wie vor Print ist und das Wissen über den Online-Bereich und seine Möglichkeiten längst nicht so hoch ist, wie man meinen möchte.

    Der Elfenbeinturm steht also durchaus noch immer, auch bei der jungen Generation und wer über Besetzungquoten auf Podien von Camps redet, mit denen der Großteil der Bevölkerung nichts anzufangen weiß, sollte sich fragen, wem er oder sie da was beweisen will. Das Internet, dass ich seit nunmehr über zehn Jahren “bewohne”, kannte eigentlich keine Diskriminierung nach Geschlecht, wenn es darum ging, andere mit Wissen erhellen. Früher hatte man dafür Nicknames und hat sich nicht so ernst genommen, aber heute, da das real life im Internet angekommen ist und Politik und Wirtschaft sich breit machen, muss sich wohl jeder mit seinem echten Namen auf echt bedeutsamen Podien profilieren.

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