Webseiten sind für politische Parteien die Online-Werkzeuge mit der größten potentiellen Reichweite. Anders als zum Beispiel bei Seiten sozialer Netzwerke oder Smart-Phone Apps sind Inhalte auf politischen Webseiten für jeden interessierten Nutzer mit Internetanschluss und Webbrowser zugänglich, unabhängig davon, ob er in einem sozialen Netzwerk ein Profil besitzt oder mit einem besonderen Telefonmodell im Internet surft. Damit Parteien aber mit ihren Webseiten interessierten Nutzern auffallen, müssen sie an prominenter Stelle in den Ergebnislisten von Suchmaschinen aufgeführt werden.
Eine Untersuchung des Lehrstuhls für Politische Soziologie an der Universität Bamberg in Zusammenarbeit mit den Firmen Neolox und Searchmetrics ging der Frage nach, wie Parteiseiten von der Suchmaschine Google bewertet werden und zu welchen Suchbegriffen Parteiwebseiten an prominenter Stelle in den Google Ergebnislisten angezeigt werden. Im Einzelnen untersuchten wir die Webseiten von Parteien im Bund sowie von Parteien in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Die wichtigsten Ergebnisse sind:
1) Die Webseiten der Bundesparteien sind prominent in den Google Ergebnislisten zu Anfragen nach Parteinamen und Spitzenpolitikern platziert. Wird nach tagesaktuellen oder allgemein politischen Begriffen gesucht, erscheinen die Webseiten der Bundesparteien nur vereinzelt und unsystematisch in den Ergebnislisten. Einzige Ausnahme ist die Piratenpartei.
2) Die Webseiten der Landesverbände von Parteien erscheinen nur prominent in Ergebnislisten, wenn gezielt nach Parteinamen und Kandidaten gesucht wird. Bei Suchanfragen zu tagesaktuellen und allgemein politischen Begriffen bleiben die Webseiten der hier untersuchten Landesverbände überwiegend unsichtbar.
3) Gründe für die geringe Sichtbarkeit der Parteiwebseiten sind unter anderem die für Suchmaschinen schwer verständliche Codierung der Seiten, ein vor allem auf eine ansprechende Optik bedachtes Seitendesign sowie die mangelnde redaktionelle Betreuung der auf den Seiten angebotenen Inhalte.
Dass es anders geht, zeigen die Seiten der Piratenpartei im Bund. Politische Webseiten können für Suchmaschinen also durchaus gut sichtbar sein. Das gelingt allerdings nur, wenn Webseiten bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Eine Seite wird zum einen sichtbarer, wenn sie von anderen Webseiten und Profilen und auf Social Media-Kanälen verlinkt werden. Zum anderen werden Webseiten dadurch sichtbarer, dass sie bewusst suchmaschinenfreundlich gestaltet und aktiv redaktionell betreut werden. Die Verlinkung durch andere Webseiten können Parteien in der Regel allenfalls indirekt beeinflussen. Die Gestaltung der Seiten liegt jedoch bei den Parteien und ihren technischen Agenturen. Daher erstaunt es um so mehr, dass die meisten Parteien und ihre Agenturen nicht stärker versuchen, diese Chance zu nutzen und ihre Webseiten für Suchmaschinen gut sichtbar zu gestalten. Die betreuenden Agenturen scheinen zur Zeit eher auf „Design fürs Auge“ und die Integration diverser Social-Media-Angebote zu setzen. Hier stellt sich aber die Frage: was hilft die hübscheste Seite, wenn sie niemand findet?
Die Ergebnisse der Untersuchung werden unter www.sichtbarkeitsreport.de ausführlich dargestellt.
Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die persönliche Meinung des Autors wieder und nicht die Position des Vereins PolitCamp, oder dessen Mitglieder.


[...] Jungherr (12 September 2011)‘ Die Suchmaschinensichtbarkeit von Parteiwebseiten’ PolitCamp Blog. ‹ Previous Post Dryburgh Abbey and Melrose [...]