• Vom: 4. August 2011
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  • Über Guido Brombach


    Guido hat Erziehungs- wissenschaften studiert und beschäftigt sich bis heute damit, wie Menschen lernen. Seit 2000 arbeitet er in der politischen Erwachsenen- bildung im Bereich Computer und Medien. Das hat zwangsläufig zu einer Verknüpfung von Lernen und Medien geführt. Guido sieht darin die Chance, Lernen in die zunehmend digital durchdrungene Wissens- gesellschaft zu transformieren. Er twittert unter @gibro

Bildung mit dem Netz setzt bei vielen sofort Assoziationen rund um E-learning und die Effizienz von Bildungsprozessen frei. Aber egal wie man es dreht oder wendet, lernen geht nie schneller, nur weil man eine bestimmte Technik einsetzt. Bildung bleibt ein kommunikativer Prozess und dennoch kann der Einsatz von Medien die Lernkultur in Schulen und ausserschulischen Einrichtungen grundlegend verändern. Das Netz hat in den letzten Jahren geholfen digitale Medien zu gestaltbaren Umgebungen zu machen. In Bildungsprozesse können richtig eingesetzt die Potentiale der Nutzenden dieser Technik freigesetzt werden.

Das Projekt pb21.de versucht in der politischen Bildung Methoden vorzustellen, die aus powerpointgeschwängerten Veranstaltungsformaten teilnehmendenortientierte Angebote machen. Denn der Einsatz von digitalen Medien in der Bildung, so die These, ist nicht eine Substitution von Overhead und Tafel durch Beamer und Smartboard sondern ermöglicht den Einzug einer vollkommen neuen Lernkultur, bei der digitale Medien in den face2face Lernprozess integriert, eingebettet werden.

Lernen kann einen Anwendungsbezug erhalten, weil die mit Inhalten zu füllenden Webapps wie Prezi, Timeglider oder Animoto ohne programmierkenntnisse bzw. ein Informatikstudium beeindruckende Ergebnisse liefern. Die Lernenden werden nicht mehr wie Festplatten befüllt, sondern setzen sich kollaborativ mit dem anstehenden Projekt auseinander. Das klingt im Zusammenhang mit dem Einsatz von Medien verwegen und ist ein Gegenentwurf zu den Warnungen vor Vereinsamung und Individualisierung. Der pädagogische Ansatz erlebnis- oder praxisorientiert zu lernen ist nicht neu, er erfährt aber durch die aktuelle Entwicklung der digitalen Medien eine neue Dynamik. Das Präsentieren der Ergebnisse vor der Internetöffentlichkeit, schafft eine Motivation für ein vorzeigbares Ergebnis und ermöglicht Feedback für das Geschaffene.

Diese neue Lernkultur setzt aber auch ein anderes Verhältnis zu dem Medium voraus. Das Internet ist kein Medium im Sinne eines Werkzeugs, sondern ein Medium, so wie das Wasser für den Fisch ein Medium ist. Während das Werkzeug austauschbar ist, ist für den Fisch keine andere Umgebung denkbar (frei nach Georg Rückriem). Gunther Dück hat auf der diesjährigen Republica von dem Internet als Gesellschaftsbetriebssystem besprochen, sozusagen die Grundlage, auf der die Anwendungen erst noch aufsetzen. Wenn das Internet also allgegenwärtig ist, ausser in DB Zügen, helfen die oft bemühten Analogien vom Strassenverkehr nicht weiter. Wir haben es mit einem vollkommen neuen Medium zu tun, das leider von Pädagogen allzu häufig dazu missbraucht wird die Bildungsprozesse aus der analogen Welt mit Gewalt abzubilden (z.B. E-Learning Plattformen wie Moodle) statt das Internet als einen Ermöglichungsraum zu verstehen, der neue Veranstaltungsformate und neue Formen der Wissensaneignung hervorbringt.

Der Einsatz des Internet in Bildungsprozesse zwingt uns zu experimentieren. Wir stehen am Anfang und es gibt kaum erprobte Vermittlungsformen. Die Ideenlosigkeit, mit der einige Pädagogen den Computerraum in der Schule nutzen grenzt an Kapitulation. Aber ich will nicht nur schelten, es gibt zahlreiche hervorragende Pädagog_innen, die aussergewöhnliche Eduhacks hervorgebracht haben (z.B. @schb, @lisarosa, @sondala, @jmm_hamburg oder @cervus um nur einige zu nennen).

Wir brauchen Geräte, die das Internet in die Kommunikation zwischen Menschen einbettet. Die Spielekonsolen, die im Wohnzimmer den gemeinsamen Spieleabend ermöglichen oder z.B. die Tablets, die die gemeinsame Auseinandersetzung mit im Internet gefundenen Inhalten ermöglicht. Gemeinsam statt Einsam lautet das Moto bei dem Einsatz digitaler Medien in Bildungsprozessen. Nur so kann Wissen zur Anwendung kommen. Eine Bewertung und damit eine kritische Auseinandersetzung mit Inhalten kann nicht im stillen Kämmerlein erfolgen, sondern benötigt den Diskurs.

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die persönliche Meinung des Autors wieder und nicht die Position des Vereins PolitCamp, oder dessen Mitglieder.



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